Kundenanfragen, die nicht weiterhelfen

Kundenanfragen

Freiberufler leben von Aufträgen, aber bis es zu einem Auftrag kommt, gibt es dann und wann einen langen Weg. Bevor es zu einem Auftrag kommen kann, schreibt der potentielle Kunde oft eine Anfrage an den Freiberufler. Daraufhin erstellt dieser in schriftlicher Form normalerweise ein Angebot, und wenn sich beide Seite einig sind, erfolgen nacheinander die Auftragserteilung, die Auftragsbestätigung und schließlich die Auftragsbearbeitung.

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Manchmal aber misslingt die Kommunikation mit dem potentiellen Kunden schon gleich bei der Anfrage. Etliche Male habe ich von Anfang an den Eindruck, dass es mit einem Auftrag nichts wird. Manchmal liegt es am Preis. Aber es gibt einen anderen, subtileren Grund für das Misslingen. Mehrfach ist es schlicht und einfach die Art und Weise, wie die Anfrage verfasst wurde, und welcher Ton im Text herrscht.

Drei Beispiele

1 […] ich benötige eine Übersetzung vom Deutschen ins Spanische. Psychologische Terminis, aber nur wenig, da es sich um eine webpage. (sic) handelt. 3 Seiten etwa. Bitte nennen Sie mir Ihre Preise. […]

Wenn jemand einen Text hat, ist es immer ratsam, diesen bei der Anfrage gleich mitzuliefern, damit sich der Übersetzer ein Bild über den Umfang machen und den Kostenvoranschlag auf dessen Grundlage kalkulieren kann. Eine ungenaue Zahl von Seiten ergibt einen ungenauen allgemeinen Kostenvorschlag, der dann später noch einmal in einer zweiten Kommunikationsrunde präzisiert werden muss. Die Preise einer Übersetzung hängen immer vom genauen Umfang des Textes, wobei es zwei Arten von Kostenberechnungen gibt: vom Ausgangstext aus oder vom Zieltext aus, also vom übersetzten Text. Hier finden Sie eine Zusammenfassung über diese zwei Methoden sowie ihrer Vor- bzw. Nachteile.

Aber an diesem Beispiel fällt auch der Schreibstil auf. Der Autor oder die Autorin hat sich keine besondere Mühe gemacht richtig zu schreiben. Der Stil ist eher mündlich und die Rechtschreibung mangelhaft. In dem konkreten Fall kam noch dazu, dass die Signatur der E-Mail fehlte. Wenn Anfragen von privaten Personen kommen, finde ich es nicht so schlimm und ich frage immer nach. Die meisten verstehen dann, warum ich die Signatur benötige (für die Rechnungsstellung). Wenn aber Anfragen von einer Firma kommen, ist das Fehlen der Signatur bei einer ersten Kontaktaufnahme ein Mangel an Professionalität.

2 […] Es handelt sich um 384 Texte, mit jeweils ca. 750 Zeichen (mit Leerzeichen). Wenn Sie Zeit und Interesse haben, schreiben Sie uns bitte Ihre Verfügbarkeit und den Zeichenpreis, den Sie verlangen. […]

Wie im ersten Beispiel oben fehlte hier mindestens ein Text als Anhang. Außerdem fehlt noch eine wichtige Angabe, nämlich der Abgabetermin. Dieser muss nicht unbedingt genau sein, aber um zu wissen, ob man einen Auftrag bearbeiten kann oder nicht, braucht man eine Zielvorgabe. Die Angabe Wenn Sie Zeit und Interesse haben ist sehr ungenau. Ich kann erst wissen, ob ich für diese Anfrage Zeit habe, wenn ich den Umfang des Textes gesehen habe und ich außerdem weiß, wann die Übersetzung geliefert werden soll. Der Freiberufler arbeitet an mehreren Aufträgen gleichzeitig, die jeweils unterschiedlich dringlich sind. Das wird oft nicht berücksichtigt. Das schlechteste Beispiel eines schlechten Zeitmanagement von Seiten des Auftraggeber ist die sogenannte dringende Anfrage. Für wen gilt diese Dringlichkeit? Für den Freiberufler sind Aufträge erst dann dringend, wenn er sie zu bearbeiten hat und bald Abgabetermin ist.

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Hier sind zwei Aspekte, bei denen man nur den Kopf schütteln kann. Zuerst die Anrede an die Masse: Hi there, ohne Name. Der Absender hat wahrscheinlich gleich mehrere Übersetzer gleichzeitig angeschrieben. Ich bin nur eine von vielen. Dann die Angabe If you would like to earn extra income. Entschuldigung, aber ich lebe von meiner Arbeit. Ich nehme sie ernst und diese ist mein Haupteinkommen, nicht ein extra income. Der Absender meint wohl, dass Übersetzer ihre Tätigkeit nur als Hobby ausüben.

Von daher kommt jetzt eine Wunschliste, auf die Gefahr hin, dass bei manchen Anfragen sie bleibt, was sie ist … ein Wunsch …

Meine Wunschliste

Ich habe weitere Beispiele von misslungenen Anfragen, und ich bin sicher, dass ich nicht die einzige bin, die diese Anfragen bekommt. Meine Wunschliste an zukünftige Anfragesteller:

  • Richtige Anrede. Schreiben Sie bitte Ihre E-Mail mit einer Anrede. Wenn Sie mich übers Internet gefunden haben, sehen Sie nicht nur, wie ich heiße, sondern auch, dass ich dazu noch eine Frau bin.
  • Richtige Schreibweise. Schreiben Sie bitte die E-Mail in guter deutscher Sprache, gern auch in guter spanischer, katalanischer oder englischer Sprache. Machen Sie bitte keine unnötigen Fehler in der Orthografie und in den Satzzeichen. Das zeugt von Ihrer Professionalität und spricht dafür, dass Sie Ihrem Gegenüber Respekt zollen.
  • Liefern Sie gleich den Text mit, sei es für eine Übersetzung oder für ein Lektorat. Ihre Texte werden selbstverständlich vertraulich behandelt, und wie oben erklärt sind sie die Basis für einen genauen Kostenvoranschlag.
  • Benennen Sie bitte auch den Abgabetermin. Damit kann der Freiberufler einschätzen, ob er für die Anfrage Kapazitäten frei hat, sprich genügend Zeit.

Vielen Dank! Auf eine gute Zusammenarbeit!

2 Gedanken zu „Kundenanfragen, die nicht weiterhelfen

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