Interview mit Berta Villarino, Autorin von SOLO

Berta Villarino, Journalistin, Spanischdozentin und Autorin

BertaMeine Freundin und Kollegin Berta Villarino hat im Jahr 2013 das E-Book SOLO geschrieben und veröffentlicht, das ich in einem älteren Beitrag vorgestellt habe. Berta selber schreibt regelmäßig in den Blogs Tercia rima und Desk Sprachschule.

SOLO ist auf Spanisch geschrieben und wurde von Maria Muñoz auf Deutsch übersetzt. Es ist eine Geschichte um einen Jugendlichen, der plötzlich sein Leben allein bewältigen muss. Gleichzeitig können die Leser ihre Spanischkenntnisse mit den Übungen und dem Grammatikanhang vertiefen.

In diesem Beitrag kommt Berta Villarino selbst zu Wort.

Was hat dich motiviert, ein E-Book zu schreiben?

Die Handlung entwickelte sich im meinem Kopf, aber zwischen Familie und Beruf hatte ich keine Gelegenheit, sie niederzuschreiben. Der Wunsch, SOLO endlich zu schreiben, wurde jeden Tag größer, bis es fast ein Bedürfnis war. Die Veröffentlichung meiner Geschichte als E-Book war für mich eine attraktive und preiswerte Möglichkeit, mein Ziel zu erreichen. Die Handlung hatte ich Kopf, wie ein Stein im Schuh, sie machte mich nervös und unruhig, weil sie heraus wollte. Eines Tages ergaben sich die richtigen Umstände. Wegen Zahnproblemen musste ich meine Unterrichtsstunden reduzieren, und hatte endlich Zeit SOLO zu schreiben.

Und warum auf Spanisch?

Ja klar, meine Geschichte musste ich auf Spanisch schreiben, um Spanisch-Lernende zu unterstützen. In dieser Geschichte versuche ich, mit der Spannung das Interesse an der Lektüre zu wecken und damit die Sprachkenntnisse meiner Leser zu verbessern, was dabei fast automatisch geschieht. Dazu kam der wunderschöne Zufall, dass ich genau zum richtigen Zeitpunkt Maria Muñoz kennenlernte. Sie hat sich für meine Geschichte interessiert und meine Motivation gesteigert. Sie war kritisch und gleichzeitig hilfsbereit und hat SOLO nicht nur ins Deutsche übersetzt sondern auch lektoriert.

Als Dritte im Team kam noch Montserrat Varela hinzu. Sie schrieb den Grammatikteil, weil ich aus SOLO ein didaktisches Material zum Spanischlernen machen wollte.

Wie kam dir die Idee für diese Geschichte?

In meiner Jugend hatte ich Bücher gelesen, die mich mit den Gedanken, alleine auf der Welt zu sein, zum Spielen brachten. Viele Jahre später, in der Praxis meines Kieferorthopäden, erinnerte ich mich wieder an die Bücher, die Gedanken und Spiele von damals.

Als ich in der Praxis wartete und die Jugendlichen aufmerksam beobachtete, entwickelte ich aus den alten Erinnerungen eine feste Handlung und entschied mich endgültig, sie zu schreiben. Als Autorin beobachte ich in meinen Alltag und meine Umgebung aufmerksam. Dabei kommen mir oft die besten Ideen. Im Warteraum der Praxis war das nicht anders. Ich fragte mich, wie es für einen dieser Jungen wäre, der heute neben mir sitzt und ohne sein Smartphone, seine Musik keine ruhige Minute findet, auf einmal allein auf der Welt zu sein.

Diese Entwicklungen und Freizeitangebote unserer „zivilisierten“ Gesellschaft würden ihm ohne Strom, ohne Freunde und Gleichgesinnte nicht mehr zur Verfügung stehen. Er würde für seine Ernährung, Gesundheit selbst sorgen müssen und noch dazu den Sinn seines Lebens neu definieren müssen.

Wie hat sich eine abstrakte Idee zu einer konkreten, fest definierten Handlung entwickelt?

Die langen Stunden, während ich im Behandlungsstuhl mit offenem Mund saß, hielt ich nur aus, weil ich meinen Kopf weit wegfliegen ließ und dabei die Handlung für die Geschichte in meinem Kopf nach und nach schrieb. Die Ideen zur Handlung des Buches, die mir im Warteraum kamen, habe ich hauptsächlich im Behandlungsstuhl weitergedacht und in Gedanken Seite für Seite geschrieben. Nach den Behandlungen habe ich versucht alles sofort auf ‚Papier‘ festzuhalten. Ich hatte meinen Laptop immer in der Tasche dabei und als ich die Praxis verließ, suchte ich mir oft ein nettes Cafe oder besuchte die Bücherei und schrieb alles auf.

Hattest du von Anfang an eine Zielgruppe im Kopf?

Ja, die jungen Leute sind und waren Inspiration und Zielgruppe zugleich. Ich selber habe einen Sohn im Gymnasium im Alter der Hauptfigur, und ich bin in meinem Alltag ständig in Kontakt mit anderen Jugendlichen. Diese Geschichte können aber andere Spanisch-Lernende jeden Alters lesen.

Warum junge Leute?

Das Leben unserer Jugend interessiert mich sehr. Sie sind inzwischen vollkommen von der Technik abhängig. Sie werden oft von Erwachsenen kritisiert, weil sie frech, unhöflich und egoistisch sein sollen. Dabei zeigt ihnen unsere Erwachsenenwelt keinen anderen Weg. Wir erziehen sie innerhalb fest geplanter Lebensrhythmen und innerhalb einer Leistungsgesellschaft, die ihnen keine andere Wahl lässt.

Aus einer Reflexion heraus, was für die Jugend alles selbstverständlich ist, und dass auf einmal alles anders ist, entstand die Handlung, die ich unbedingt in SOLO entwickeln wollte.

Wird es eine Fortsetzung geben? Das Rätsel ist noch nicht gelöst…

Das werden die Leser und auch die Umstände meines Lebens entscheiden. Im Kopf gibt es sie schon und hat den Titel: „Solo contigo“. Ob sie eine Realität wird, weiß ich aus heutiger Sicht noch nicht.

Wie war die Erfahrung der Veröffentlichung bis jetzt?

Interessant, aber auch anstrengend und etwas verwirrend. Ein richtiges Feedback habe ich bis heute nicht bekommen. Man denkt, im Internet läuft alles schnell, aber es ist nicht immer der Fall.

Hast du im Moment vor, noch mehr Geschichten zu schreiben, auch in anderen Genres?

Ja, klar. Ich schreibe Geschichten, Briefe, Artikel, Krimis, und sogar Gedichte seit meiner Jugendzeit.

Jeder Tag ist voller Ideen, Erfahrungen, Gefühlen, Frustrationen, Erfolgen, Überraschungen, die ich gerne in meinem Kopf bewahre, um sie in eine Handlung zu verwandeln. Leider habe ich sehr selten die Gelegenheit, sie niederzuschreiben. Sie sind wie Samen, einige fliegen mit dem Wind, andere werden von Vögeln gefressen, andere trocknen aus. Wenn die Umstände da sind, werden aus Ideen Handlungen und wenn sie sich entwickeln und gesund wachsen können bekomme ich schöne Pflanzen, wie zuletzt SOLO.

Vielen Dank Berta.

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