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Eine neue Agentur in München – Mi Guía Hispania

Erstes Treffen spanischsprachiger UnternehmerInnen in München

Am 25. Mai 2019 fand in München ein erstes Treffen spanischsprachiger UnternehmerInnen statt, wie ich hier in einem Blogeintrag angekündigt hatte. Das Treffen war ziemlich gut besucht, mit etwa zusammen 50 angemeldeten Teilnehmern und weiterem Publikum, der in letzter Minuten spontan teilnahm.  Außer dem angekündigten Programm (siehe unten), gab es ein paar Überraschungen, wie zum Beispiel die Verlosung von drei Stadtführungen zu zweit durch München, die der Münchener Anbieter Radius Tour gesponsert hatte.

Treffen Agentur MGH

Agenda 1er Encuentro de Empresarios Hispanos(as) & Bloguero(as)

Am Laufe des Tages gab es verschiedene Präsenzvorstellungen und auch Videovorstellungen von TeilnehmerInnen, die nicht anwesend sein konnten. Die junge Firma Pacandé, die Kaffee aus Kolumbien direkt als Fairtrade Produkt importiert und hier in Deutschland vertreibt, versorgte alle Teilnehmer über den ganzen Tag mit frischen Kaffee.

Die neue Agentur MGH

In der zweiten Tageshälfte hat, Valentina Backhaus-Sánchez unsere Agentur vorgestellt. Die Initiative, eine Agentur zu gründen, ging von Valentina Backhaus-Sánchez, Mexikanerin und waschechte Unternehmerin aus. Valentina Backhaus-Sánchez hatte mich 2013 über das Internet gefunden. Sie war gerade dabei, eine Messe Hispania LA Messe im Großraum Frankfurt für spanisch sprechende UnternehmerInnen zu organisieren. Man konnte einen Stand mieten oder eine Anzeige im Messekatalog buchen. Ein halbes Jahr davor kam gerade mein Sohn Felix auf die Welt und ich konnte nicht so einfach verreisen. Deshalb buchte ich nur eine Anzeige im Messekatalog.

Ein kleiner Umweg: eine zweisprachige Zeitschrift

Zwei Jahre später zog sie aus privaten Gründen nach München und sie rief mich erneut an. Valentina hatte vor, eine zweisprachige spanisch-deutsche Zeitschrift zu gründen und wollte mich als Übersetzerin und Lektorin dabei haben. Ich fand die Idee gut, denn etwas Vergleichbares gab es in München nicht. Das Vorbild für die Zeitschrift ist La Guía, welche seit Jahren in Frankfurt etabliert ist. Sie wollte etwas ähnliches aufbauen, und dafür suchte sie Unterstützung.

Das Ergebnis heißt Mi Guía Hispania und ist neben der Onlinepräsenz in gedruckter Form auch in etwa 150 Verteilzentren im Großraum München inklusive Ingolstadt, Regensburg und Nürnberg zugänglich. Die Zeitschrift wird auch in Botschaften und Konsulaten von lateinamerikanischen Ländern und Botschaft und Konsulaten Spaniens in der Bundesrepublik verteilt. Valentina Backhaus-Sánchez hat damit ein großes Netzwerk an spanisch sprechenden UnternehmerInnen oder von solchen, die diese Gruppe ansprechen will, aufgebaut. Ab 2019 gehen wir einen Schritt weiter. Wir haben gemeinsam die Marketingagentur Mi Guía Hispania gegründet, mit der wir mehrsprachige Dienstleistungen anbieten möchten.

Was bieten wir

Agentur MGH

Das sind zusammengefasst die Dienstleistungen, welche wir als Agentur anbieten möchten:

  • Entwicklung von Werbekampagnen inklusive des entsprechenden Werbedesigns für das gewünschte Kommunikationsmedium. Ausarbeitung von Werbetexten für die unterschiedlichsten Medien und deren Übersetzung in die erforderlichen Sprachen.
  • Übersetzung Ihrer Internetpräsenz, kompletter Websites und Inhalte in den sozialen Medien in verschiedenen Sprachen. Wir entwickeln Ihren Marketingauftritt sowohl online als auch offline.
  • Entwicklung des Corporate Designs und eines Slogans für Ihr Unternehmen.
  • Marktstudien und Beurteilungsstrategien, um Geschmack und Vorlieben des Zielmarktes festzustellen.

Agentur MGH

Die dritte Sprache bei einer Übersetzung und ihr Lektorat

Die dritte Sprache

Wie die Übersetzerin und Schriftstellerin Anna Rossell in ihrem Buch „Manual de traducción alemán-castellano“ beschreibt, erzeugen ÜbersetzerInnen eine dritte Sprache, wenn sie die Sprache A in die Sprache B übersetzen, selbst wenn die Sprache B ihre Muttersprache ist. In einigen Aspekten der Übersetzung, diese dritte Sprache steht zwischen der Ausgangs- und der Zielsprache. Mehr als einmal haben wir übersetzte Texte gelesen, die wir zwar verstehen, die aber nicht gut klingen. Sie sind in dieser dritten Sprache geschrieben worden. Verständlich, aber in manchen Stellen zu nah an der Ausgangssprache. An dieser Stelle setzt das Lektorat an.

In meiner Arbeit als Lektorin bin ich einigen Beispielen dieser dritten Sprache begegnet. Schon 2014 habe ich in diesem Beitrag darüber geschrieben. Neulich aber habe ich eine Veröffentlichung über einen deutschen Forscher lektoriert, die hervorragend übersetzt worden ist, dennoch auch nicht frei von dieser dritten Sprache war. In diesem Beitrag habe ich dazu einige Beispiele gesammelt.

Die Ausgangssprache und ihr Lektorat

 Jubiläum

Die Veröffentlichung wurde zum Geburtstagsjahr eines Forschers verfasst und übersetzt, der schon längst gestorben ist. Ein Wort dafür auf Deutsch ist Jubiläum. Die Übersetzung aber spricht von este jubileo, das auf Spanisch zwar existiert, aber eine andere Bedeutung hat.

Dritte Sprache

In diesem Kontext, von fiesta conmemorativa, oder aniversario zu sprechen ist angemessener.

Sammlung

Die Veröffentlichung befasst sich auch mit einer Umfrage, die die Autorin unter Experten gemacht hat. Bei der Umfrage hat die Autorin Daten gesammelt, und die Übersetzung spricht dann von einer recolección, was m. E. zu nah an das deutsche Wort Sammlung angelehnt ist. In diesem Zusammenhang ist recopilación oder recogida besser.

Blick

Ein weiteres Substantiv, welches jeweils anders übersetzt werden muss, je nachdem, was der Text aussagt, ist Blick, also vista, das aber auch als mirada übersetzt werden kann. In der Übersetzung der Veröffentlichung wird empfohlen, dass wir eine vista diferenciada auf das Gebiet, das der Forscher untersucht hat, werfen. In diesem Zusammenhang ist una mirada diferenciada besser, und so habe ich im Lektorat korrigiert.

Bestimmte Verben

a) Auch Verben wie sorgen für, verbinden oder sich bieten muss man immer an die jeweiligen Zusammenhänge anpassen. In der Übersetzung stand, dass der Forscher sich als Projektionsfläche anbietet: „ofreciéndose como una figura de proyección“.

Dieses Gerundium ofreciéndose kommt aus dem Original sich bieten und ist im Deutschen  richtig in seiner metaphorischen Bedeutung. Aber dieser Forscher hat sich niemals aktiv angeboten. Die Botschaft ist eine Projektion auf die heutige Zeit. Hier wäre mein Vorschlag näher an einer flüssigen Lektüre: „… [él] se brinda como una figura de proyección„.

Dritte Sprache

b) An einer anderen Stelle spricht der Text davon, dass wenige Leute die Schriften und die Gedanken des Gelehrten genutzt haben, sich einer Sache zu widmen. Im spanischen Text wird es wörtlich übersetzt mit „aprovecharse de esta oportunidad de ocuparse de sus escritos o de su pensamiento“

Auf Spanisch aber widmen wir uns nicht einer Sache, wenn es ums Lernen oder um eine Forschung geht. Eine natürlichere Übersetzung würde es so umformulieren: „Aprovecharse de esta oportunidad de estudiar sus escritos o su pensamiento“.

Die Übersetzung von hier

Anna Rossell spricht auch darüber, dass die deutsche Sprache viel mehr Bezüge im Satz selbst oder auch satzübergreifend benötigt. Wörter wie darin, davon, das, dazu, es oder hier sind von der Grammatik her nötig. Die spanische Sprache braucht aber nicht so viele direkten Bezüge, und dann muss man diese weglassen oder den Satz umschreiben. In meiner letzten Korrektur über die oben erwähnten Veröffentlichung standen mehrere Beispiele mit einer zu nahen Übersetzung von hier. Hier drei Beispiele:

1. Beispiel:

Así, a menudo se le atribuye un papel importante en la búsqueda de una nueva identidad […]. Aquí en cierta medida, se tiende a ver [al investigador] como uno de los «padres fundadores

Vorschlag: En este caso, en cierta medida

2. Beispiel:

Un ejemplo de esto es [ciudad]: aquí se da un notable interés en [el investigador]

Vorschlag: en esta ciudad

3. Beispiel:

La sugerencia explícita de [país que conoció el investigador] aquí fue que el año 2019 debería ser usado como una oportunidad para discutir abiertamente los temas clave que conforman el pensamiento y el trabajo de [el investigador].

Vorschlag: en este sentido, en este contexto

Es gab viele weitere Fälle, denn die Veröffentlichung umfasst knapp 300 Seiten. Aber wie anfangs erwähnt, ist die Übersetzung ins Spanische ausgezeichnet. Hier wollte ich nur ein einige Beispiele vom Lektorat einer Übersetzung sammeln, bei der man viel entfernter vom Ausgangstext liest und korrigiert.

Auftraggeber: Der mit Lektor, der ohne Lektor

Lektoratskunden im täglichen Geschäft

Seitdem ich Freiberuflerin bin, lektoriere und korrigiere ich für deutsche Auftraggeber, die hier in Deutschland spanische Texte veröffentlichen lassen. Über die Jahre habe ich meine Erfahrungen gesammelt und festgestellt, dass es hauptsächlich zwei Typen von Auftraggeber in diesem Bereich gibt:

Der Auftraggeber 1, der meint, ein Kollege oder ein Mitarbeiter kann es schon machen.

Eine Agentur in München. Eine Mitarbeiterin schickt mir Texte und bittet mir um einen Kostenvoranschlag zum Lektorieren. Sie hatte die Texte als deutsche Muttersprachlerin selbst ins spanische übersetzt. Der Text war nicht schlecht übersetzt, enthielt aber orthografische Fehler und  Formulierungen, die entweder unverständlich waren oder 1 zu 1 aus dem Deutschen ins Spanische übersetzt waren. Desweiteren hatte sie die spanische Interpunktion nicht beachtet. Sie hatte also den Text auf Spanisch mit der deutschen Interpunktion geschrieben (z. B. mit Gedankenstrichen, mit dem ersten Anführungszeichen unten gestellt und nicht oben usw.).

Kurz nachdem ich meinen Kostenvoranschlag geschickt hatte, kam schon ihre Antwort: „Leider kann ich den Auftrag nicht erteilen.“ Ich habe dann nachgehackt und gefragt, woran es lag. Die Mitarbeiterin meinte, dass mein Kostenvoranschlag für ihren Vorgesetzten zu teuer war. Sie haben einen Kollegen in ihrer Niederlassung in Spanien, der die Korrekturen vornehmen wird. Er kann zwar kein Deutsch, versteht aber von der Materie, meinte sie.

Nun gut. Als Externe kann ich so eine Entscheidung des Vorgesetzten nicht beurteilen. Auffällig für mich aber waren zwei Tatsachen: zum einen hatte der Vorgesetzte schon mal keinen Übersetzer beauftragt, sondern die Mitarbeiterin mit der für sie fachfremden Aufgabe beauftragt. Das Ergebnis war nicht veröffentlichungsreif, dessen war sich die Mitarbeitern bewusst. Zum anderen hat mir dieselbe Mitarbeiterin während unseres E-Mail-Gesprächs (sie war sehr nett) gestanden, dass sie das Lektorat wollte.

Der Auftraggeber 2, der zunächst eine Lösung sucht.

Ein anderes Lektorat: ein Architekturverlag in München, der ein Fotobuch ohne Text herausbringt. Das Buch wird mit einem Beilegerheft bestückt, das auf Deutsch, Englisch und Spanisch geschrieben wurde. Ich sollte den spanischen Text überprüfen. Ich habe meiner Ansprechspartnerin den Kostenvoranschlag mit Begründung (wie beim Auftraggeber 1 übrigens auch) geschickt, und sie hat es akzeptiert. Mit dieser Art Kunden ist es sehr angenehm zu arbeiten. Sie richten zunächst ihr Augenmerk auf das Problem, das der Freiberufler ihm lösen kann. Als Freiberufler wird man so nicht sofort über den Preis definiert. Der Auftraggeber honoriert eher, dass der Freiberufler ihm eine Lösung bietet.

Kundentypen

Diese beiden Erfahrungen, die ich letztens ziemlich nah beieinander erlebt habe, führen mir immer wieder vor Augen, dass man mit Auftraggebern gelassen umgehen sollte. Denn wir sind selbst Kunde, wenn wir als Verbraucher unterwegs sind. Wir verhalten uns auch manchmal wie Auftraggeber 1, manchmal wie Auftraggeber 2.

Marta Stelmaszak, eine Übersetzerin für Polnisch und die in London wohnt, hat in einem Video die drei Kundentypen, mit denen ihrer Meinung nach ein Freiberufler hauptsächlich zu tun hat charakteriziert. Ihre Analyse bezieht sich auf Übersetzer; ist aber auch auf andere freiberufliche Berufen übertragbar. Mein Auftraggeber 1 entspricht dem Auftraggeber A von Frau Stelmaszak: Verhandeln mit ihnen ist aussichtslos, weil sie uns auf den Preis reduzieren. Mein Auftraggeber 2 entsprach eher dem Kundentypen C: ein Auftraggeber der auf Qualität setzt und mit uns auf Augenhöhe verhandelt.

Und Sie, welche Erfahrungen haben Sie bis jetzt gemacht?