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Weltsprachen und zweitmeist gesprochene Sprachen

Der Begriff der Weltsprachen

Es gibt zwei Hauptdefinitionen für das Konzept der Weltsprachen:

  • einerseits sind Weltsprachen international benutzte Verkehrsprachen, deren Nutzung weit über ihr Ursprungslang reichen,
  • andererseits definieren sich Weltsprachen nach der Anzahl ihrer Sprecher.

Weltsprache als Verkehrssprache

Der ersten Definition nach ist die englische Sprache natürlich die erste Weltsprache überhaupt, obwohl sie weniger Sprecher hat als beispielsweise Chinesisch oder Arabisch. Als Verkehrsprache ist Englisch zur Lingua Franca unserer Zeit geworden, so wie früher diese Rolle das Latein in Europa inne hatte.

Weltsprache als meistgesprochene Sprache

Aber was ist mit der zweiten Definition? Die Weltsprachen werden nach der Zahl der Sprecher gezählt, wobei hier sowohl Muttersprachler als auch Sprecher einer Zweitsprache zählen. Diese Zweitsprache muss aber von diesen Sprechern im Alltag gesprochen bzw. verwendet werden. Man zählt also nicht alle Fremdsprachen, die die Bevölkerung beherrscht, sondern nur diejenigen, die im Alltag wirklich Verwendung finden.

Auf der Webseite Statista finden wir eine Liste der meistgesprochenen Sprachen der Welt, die nach der zweiten Definition als Weltsprachen gelten. Diese sind, kurz zusammengefasst:

  • Chinesisch, mit etwa 1,300 Millarden Sprecher
  • Hindi (525 Millionen, Amtssprache in Indien) und Englisch (510 Millionen)
  • Spanisch (389 Millionen)
  • Arabisch (290 Millionen)
  • Russisch (278 Millionen) und Portugiesisch (270 Millionen)
  • Bengali (250 Millionen, Amtsprache in Bangladesch und Indien) und Malaiisch-Indonesisch (200 Millionen, gesprochen in Malaysia, Indonesien, Singapur, Brunei)
  • Urdu (150 Millionen, Amtsprache in Pakistan und Indien)
  • Japanisch (127 Millionen)
  • Deutsch (118 Millionen) und Französisch (107 Millionen)

Die Welt betrachtet mit den zweitmeist gesprochenen Sprachen

Die Hauptsprache bestimmt das Bild, dass wir von einem Land haben. Jede(r) weiß, dass in Kanada Englisch gesprochen wird;  dass in Mexiko Spanisch gesprochen wird usw. Im Gegensatz dazu ist nicht jedem bewusst oder denkt nicht sofort daran, dass in Kanada auch zumindest Französisch gesprochen wird und in Spanien Baskisch oder in Mexiko Nauhatl.

Weltsprachen

Zweitmeist gesprochenen je nach Kontinenten

Ein anderer Ansatz, auf die Länder der Welt zu schauen verfolgt das Portal MovHub.com, das bei internationalen Umzügen hilft. MovHub hat ein paar Infografiken veröffentlicht, die alle zweitmeist gesprochenen Sprachen überall auf der Welt zeigen. Diese Infografiken visualisieren ganz gut, dass in allen Ländern mehr als eine Sprache gesprochen wird, obwohl oft nur eine einzige als offizielle Sprache anerkannt ist.

Ich habe die Infografiken auf CULTURA INQUIETA gefunden und fasse sie hier kurz zusammen:

In Amerika

  • In Kanada ist die zweitmeist gesprochene Sprache Französisch, vorwiegend gesprochen in der Region Québec. Französisch und Englisch sind überall in Kanada, nicht nur in Québec Amtssprache.
  • In den USA ist die zweitmeist gesprochene Sprache Spanisch. Obwohl die spanische Sprache keine Amtssprache ist, lebt in den USA die zweitgrößte Spanisch sprechende Bevölkerung der Welt, hauptsächlich in Florida, im Südwesten der USA und im Nordosten. In Puerto Rico, laut Wikipedia ein nichtinkorporiertes US-amerikanisches Außengebiet, haben 95% der Bevölkerung Spanisch als Muttersprache.
  • Nahuatl ist in Mexiko die zweitmeist gesprochene Sprache. In vorspanischer Zeit wurde Nahuatl von den Azteken, Tolteken und nahen Völkern gesprochen. Immerhin etwa 1,5 Millionen Sprecher hat heute die Sprache Nahuatl.
  • In Argentinien ist die zweitmeist gesprochene Sprache Italienisch. Allerdings gerade einmal 1,5 Millionen Personen sprechen geschätzt Italienisch von ca. 43 Millionen Einwohnern in Argentinien .
  • Puerto Rico: Englisch
  • Quechua ist in Ecuador, Peru und Bolivien die zweitmeist gesprochene Sprache. In den drei genannten Ländern ist Quechua sogar Amtssprache. Quechua war die Sprache des Inkareiches in vorspanischer Zeit. Mit der Expansion des Reiches im 16. Jahrhundert, kurz vor der spanischen Invasion, wurde Quechua die Lingua Franca im Andenraum.
  • In Paraguay ist die zweitmeist gesprochene Sprache Guaraní, die zusammen mit Spanisch  Amtssprache ist.

In Europa

  • Polnisch ist in Großbritannien die zweitmeist gesprochene Sprache. Infolge der osteuropäischen EU-Erweiterung hat sich die polnische Sprache diesen Status erst seit dem Jahr 2004 erarbeitet.
  • In Frankreich, Italien, Polen, Ungarn, Norwegen und Schweden ist die zweitmeist gesprochene Sprache Englisch.
  • Schwedisch ist in Finnland die zweitmeist gesprochene Sprache. Das Schwedische in Finnland hat vor allem geschichtliche Hintergründe: Finnland war über fast 700 Jahre Teil des Königsreichs Schwedens (12. – 19. Jahrhundert).
  • In Deutschland ist die zweitmeist gesprochene Sprache Türkisch. Erst als die Sprache der Gastarbeiter ins Land gekommen, ist Türkisch heute die Sprache der Migranten.
  • Kurdisch ist in der Türkei die zweitmeist gesprochene Sprache. Kurdisch gehört zur indogermanischen Sprachfamilie und wird im Osten der Türkei, im Norden Syriens sowie Iraks und im Nordwesten Irans gesprochen.
  • Katalanisch ist in Spanien die zweitmeist gesprochene Sprache. Zudem in den drei Autonomen Regionen Katalonien, València und die Balearen ist Katalanisch Amtsprache.

In Asien

  • Bengali ist in Indien die zweitmeist gesprochene Sprache. 215 Millionen Muttersprachler sprechen Bengali, welches zur indogermanischen Sprachfamilie gehört; davon 75 Millionen in Indien. Überdies ist Bengali Amtssprache in Bangladesch, dort ist Bengali Hauptsprache.
  • Im Irak: Kurdisch
  • In China ist die zweitmeist gesprochene Sprache Kantonesisch. Die Sprache Yue, wie die kantonesische Sprache auch bezeichnet wird, gehört zur sinotibetischen Sprachfamilie und wird vorwiegend im Süden Chinas gesprochen. Dessen ungeachtet, ist die Kantonesische Sprache keine Variante und kein Dialekt der hochchinesischen Sprache.
  • In Australien ist die zweitmeist gesprochene Sprache Mandarin. Mandarin gehört auch zur sinotibetischen Sprachfamilie und bildet die Grundlage für das standarisierte Hochchinesisch. Auf Grund von Einwanderung aus China und Südostasien ist das Mandarin nach Australien gelangt.

Finden Sie nicht, nach dieser kurzen Liste sieht man die Welt mit anderen Augen? :-)

Literatur trifft Gegenwart

Die Literatur und die Gegenwart

Literatur GegenwartManchmal kann Literatur, die schon einige Jahre auf dem Buckel hat, sehr aktuell sein. Das aktuellste politische Thema seit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres (2015) in Deutschland ist die Ankunft der Flüchtlinge, die Bewältigung dieser riesigen Aufgabe und die Zunahme des rechtspopulistischen Gedankenguts.

Von alldem besorgt mich am meisten der dritte Aspekt, nämlich dass rechte Gedanken und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland zunehmen oder zumindest sichtbarer werden. Bei vielen Menschen in Deutschland scheint die genaue Herkunft mancher Mitbürger immer noch das allerwichtigste zu sein. Es lebt aber in Deutschland schon die zweite und die dritte Generation mit sogenanntem „Migrationshintergrund“, die aber hier geboren ist und von der immer noch erwartet wird, dass sie sich zu ihrem vermeintlich ursprünglichen Land bekennt. Mit der Ankunft der Flüchtlinge, so meine Sorge, wird diese Tendenz noch bekräftigt, obwohl unter den Flüchtlingen es viele Kinder gibt, die hier ihr Leben und ihre Identität aufbauen werden.

Die Literatur von Pere Calders (1912 – 1994)

Das ist mir neulich aufgefallen, als meine Studierenden im Katalanischunterricht an der LMU München eine Erzählung von Pere Calders gelesen haben. Sie haben einen Text gelesen, der vom Verlag so aufbereitet ist, dass dieser für Lerner einer Fremdsprache geeignet ist, ein Easy Reader des Verlags Eumo Editorial in Katalonien.

Pere Calders ist einer der besten und berühmtesten Schriftstellers der katalanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Nach dem spanischen Bürgerkrieg musste er nach Mexiko ins Exil gehen, hat aber von dort aus weiter veröffentlicht und ist 1962 nach Spanien zurückgekehrt. Er hat vor allem Erzählungen geschrieben, aber auch Romane, und seine Literatur zeichnet sich durch seine Ironie, manchmal Zynismus, sowie durch magische Elemente aus, vielleicht beeinflusst durch den „realismo mágico“ der lateinamerikanische Literatur ebenfalls aus dem 20. Jahrhundert. Auf dieser Webseite findet sich eine sehr gute Übersicht über Pere Calders und sein Werk in englischer Sprache.

Die Erzählung „Arriben dissimulant“

Meine Studierenden haben die Erzählung „Arriben dissimulant“ aus dem Erzählungsband Invasió subtil i altres contes gelesen, der 1978 erschienen ist und damals ein großer Verkaufserfolg damals. In diesem Band schreibt der Autor von realistischen Erzählungen bis zu Science Fiction, mit dem damals so berühmten Stil des magischen Realismus, dem realismo mágico.

Einen Ausschnitt der Erzählung für Lerner

Einen Ausschnitt der Erzählung für Lerner

In der Erzählung geht es um einen Mann, der einen anderen Mann in einem Restaurant trifft. Dieser Fremde ist ihm sehr verdächtig. Obwohl er japanisch aussieht, wie der Protagonist meint, isst er einheimische Produkte, wohnt nicht in Japan, arbeitet auch nicht in Japan und kleidet sich auf der heimischen Art und Weise, also nicht, wie es der Protagonist erwartet, nämlich japanisch. Der Fremde trägt sogar einen Pin mit dem Barça-Wappen auf dem Jackett! Unfassbar. Unser Protagonist, der Biokatalane also, ist also sehr „besorgt“ …

Kommt Ihnen so was bekannt vor? Ich denke schon. Leider ist die Trennung zwischen „Bio“ und „Nichtbio“ immer noch verbreitet.

Und wenn es Sie interessiert, hier die vollständige Erzählung des Easy Readers auf Katalanisch, Spanisch und Deutsch (eigene Übersetzungen) als PDF* zum Herunterladen: Pere_Calders

Viel Spaß beim Lesen!

*Mit freundlicher Genehmingung vom Verlag Eumo Editorial.

Ein wiedergefundenes Interview – Buchmesse 2007

Ein Interview mit mir aus dem Jahre 2007

Vor ein paar Wochen, beim Aufräumen einiger Bücher, bin ich auf den Ausschnitt eines alten Interview mit mir aus dem Jahr 2007 gestoßen. Es war ein sehr kurzes Interview anlässlich der Frankfurter Buchmesse, die in jenem Jahr die katalanische Kultur und Literatur eingeladen hatte. Hier zwei Berichte über die Buchmesse aus diesem Jahr von der ZEIT und vom Deutschlandfunk.Zeitung Interview

Das Interview erschien in den lokalen Seiten der Süddeutschen Zeitung. Die Journalistin wandte sich an die Volkshochschule Unterhaching, wo ich damals noch Spanisch unterrichtet hatte.

Damit der Ausschnitt nicht verloren geht, hier mein erstes und bis jetzt einziges Interview in einer deutschen Zeitung: Weiterlesen