Archiv für den Monat: März 2016

Literatur trifft Gegenwart

Die Literatur und die Gegenwart

Literatur GegenwartManchmal kann Literatur, die schon einige Jahre auf dem Buckel hat, sehr aktuell sein. Das aktuellste politische Thema seit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres (2015) in Deutschland ist die Ankunft der Flüchtlinge, die Bewältigung dieser riesigen Aufgabe und die Zunahme des rechtspopulistischen Gedankenguts.

Von alldem besorgt mich am meisten der dritte Aspekt, nämlich dass rechte Gedanken und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland zunehmen oder zumindest sichtbarer werden. Bei vielen Menschen in Deutschland scheint die genaue Herkunft mancher Mitbürger immer noch das allerwichtigste zu sein. Es lebt aber in Deutschland schon die zweite und die dritte Generation mit sogenanntem „Migrationshintergrund“, die aber hier geboren ist und von der immer noch erwartet wird, dass sie sich zu ihrem vermeintlich ursprünglichen Land bekennt. Mit der Ankunft der Flüchtlinge, so meine Sorge, wird diese Tendenz noch bekräftigt, obwohl unter den Flüchtlingen es viele Kinder gibt, die hier ihr Leben und ihre Identität aufbauen werden.

Die Literatur von Pere Calders (1912 – 1994)

Das ist mir neulich aufgefallen, als meine Studierenden im Katalanischunterricht an der LMU München eine Erzählung von Pere Calders gelesen haben. Sie haben einen Text gelesen, der vom Verlag so aufbereitet ist, dass dieser für Lerner einer Fremdsprache geeignet ist, ein Easy Reader des Verlags Eumo Editorial in Katalonien.

Pere Calders ist einer der besten und berühmtesten Schriftstellers der katalanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Nach dem spanischen Bürgerkrieg musste er nach Mexiko ins Exil gehen, hat aber von dort aus weiter veröffentlicht und ist 1962 nach Spanien zurückgekehrt. Er hat vor allem Erzählungen geschrieben, aber auch Romane, und seine Literatur zeichnet sich durch seine Ironie, manchmal Zynismus, sowie durch magische Elemente aus, vielleicht beeinflusst durch den „realismo mágico“ der lateinamerikanische Literatur ebenfalls aus dem 20. Jahrhundert. Auf dieser Webseite findet sich eine sehr gute Übersicht über Pere Calders und sein Werk in englischer Sprache.

Die Erzählung „Arriben dissimulant“

Meine Studierenden haben die Erzählung „Arriben dissimulant“ aus dem Erzählungsband Invasió subtil i altres contes gelesen, der 1978 erschienen ist und damals ein großer Verkaufserfolg damals. In diesem Band schreibt der Autor von realistischen Erzählungen bis zu Science Fiction, mit dem damals so berühmten Stil des magischen Realismus, dem realismo mágico.

Einen Ausschnitt der Erzählung für Lerner

Einen Ausschnitt der Erzählung für Lerner

In der Erzählung geht es um einen Mann, der einen anderen Mann in einem Restaurant trifft. Dieser Fremde ist ihm sehr verdächtig. Obwohl er japanisch aussieht, wie der Protagonist meint, isst er einheimische Produkte, wohnt nicht in Japan, arbeitet auch nicht in Japan und kleidet sich auf der heimischen Art und Weise, also nicht, wie es der Protagonist erwartet, nämlich japanisch. Der Fremde trägt sogar einen Pin mit dem Barça-Wappen auf dem Jackett! Unfassbar. Unser Protagonist, der Biokatalane also, ist also sehr „besorgt“ …

Kommt Ihnen so was bekannt vor? Ich denke schon. Leider ist die Trennung zwischen „Bio“ und „Nichtbio“ immer noch verbreitet.

Und wenn es Sie interessiert, hier die vollständige Erzählung des Easy Readers auf Katalanisch, Spanisch und Deutsch (eigene Übersetzungen) als PDF* zum Herunterladen: Pere_Calders

Viel Spaß beim Lesen!

*Mit freundlicher Genehmingung vom Verlag Eumo Editorial.