Süddeutsche Zeitung, Landkreis München, Ausgabe Süd, Samstag/Sonntag, 13./14. Oktober 2007, Seite R7


Nachgefragt

SZ: Katalanische Literatur steht heuer im Mittelpunkt der Frankfurter Buchmesse. Welche Autoren aus Ihrem Land empfehlen Sie?

Montserrat Varela [MV]: Ich empfehle einen zeitgenössischen Autor und zwei echte Klassker. Einmal das auch ins Deutsche übersetzte Buch Die Stimme des Flusses von Jaume Cabré (Suhrkamp), der auch viele Drehbücher schreibt. Das Buch handelt, wie viele Werke bei uns, vom Bürgerkrieg und der Franco-Ära. Lesenswert ist auch ein Buch der alten Dame der katalanischen Literatur, die unter Franco ins Exil nach Genf gehen musste: Mercé Rodoreda. Es heißt Auf der Placa del Diamant (Suhrkamp). Sehr witzig und ironisch ist das Werk eines anderen Autors, der nach Mexiko emigrierte. Er heißt Pere Calders und ist ein großartiger Erzähler. Ich lese auch gern Geschichten von Quim Monzó. Er schreibt - auf spanisch - für La Vanguardia, die Tageszeitung von Barcelona. Auf der Buchmesse hat er die Eröffnungsrede gehalten. Er ist ein wahrer Satiriker und wird auf Deutsch bei der Frankfurter Verlagsanstalt veröffenlicht.

SZ: Welches sind die großen Themen der katalanischen Literatur?

[MV]: Das ist einmal unsere Geschichte, der Bürgerkrieg und die Folgen. es geht aber auch um Großstadt, Liebesbeziehungen, die Rolle der Frau, Single-Dasein - wie in anderen Länden auch.

SZ: Werden viele katalanische Bücher in andere Sprachen übersetzt?

[MV]: Das hängt vom Thema ab. Die katalanische Regierung fördert Übersetzungen, es gibt sogar Stipendien dafür.

SZ: Wie sehen Sie den Ärger, der jetzt auf der Buchmesse zwischen Spanisch schreibenden und Katalanisch schreibenden Autoren herrscht?

[MV]: Eingeladen war die katalanische Kultur, nicht die kastilische - also die spanische. Das gab Ärger. Also hat man nachträglich auch Autoren spanischer Sprache gebeten. Und nun kommen einige von denen, andere bleiben weg.

SZ: Lehren Sie an der Volkshochschule auch Katalanisch?

[MV]: Nein. Viele hier wissen ja gar nicht, dass es eine katalanische Sprache gibt. Das Bild von Spanien ist oft reduziert auf die kastilischen Regionen. Ich lehre nur Spanisch, außer im Spanischen Kulturinstitut in München. Da werden auch Kurse in Katalanisch angeboten.


Interview: Rita Baedeker